Unser Foto-Weblog

Web-Tagebuch

Anzahl der Einträge: 3

[ Anfang ] [ << Zurück ] [ Vor >> ] [ Ende ]

Von Nepal nach Indien

Von Nepal nach Indien


Pokhara ist ein guter Platz um zu einem Motorrad zu kommen. Wir beschließen, uns einen legendären Untersatz für die Weiterreise zu kaufen, eine Royal Enfield 350 ccm. Diese Motorräder werden schon seit über 50 Jahren produziert, anfänglich in England und die längste Zeit in Indien. Es sind technisch alte Motorräder und der Sound ist unverkennbar, vergleichbar mit einer Harley Davidson. Mit dem erstandenen Motorrad (wir taufen es "YAK") wollen wir nun Nepal in Richtung Westen durchqueren. Der Shop, genannt Hearts & Tears (geführt von einem Engländer und einer Holländerin), wo wir das Motorrad gekauft haben, versicherte uns ein komplettes Service gemacht zu haben, und augenscheinlich fielen mir auch keine nennenswerten Mängel auf. Am 16. Nov. starten wir los Richtung Süden, wir wollen nach Tansen, ein in den Bergen gelegenes Dorf. Nach ca. 50 km riecht es auf einmal ziemlich stark nach Benzin, ich sehe runter zum Vergaser und da spritzt der "Sprit" nur so heraus. Ge leck, die erste Panne. Wir bleiben in einem kleinen Dorf stehen, gleich springen 5 Nepalesen herbei und wollen ihre Hilfe anbieten. Alle schauen verzweifelt, greifen den Vergaser wiederholt an, doch diese spastisch unkontrollierten aber gutgemeinten Handgriffe können das Problem leider auch nicht lösen. Wenig später kommt jemand mit einem überdimensional großen Schraubenzieher angerannt, ein selbsternannter, etwas übereifriger Mechaniker; er will gleich den ganzen Vergaser runter schrauben und zerlegen, ich muss seinen Eifer jedoch höflichst einbremsen. Mir war schon vorher bekannt, dass bei diesem Modell manchmal der Schwimmer im Vergaser stecken bleibt. Meine Vermutung war richtig und nach einem kurzen Eingriff war der Schwimmer wieder frei beweglich, die Reise konnte weitergehen. Kurz vor Tansen, nach weiteren ca. 50 km fängt das YAK plötzlich zum zucken und rupfen an, ge leck, was ist jetzt schon wieder los, YAK hat Zündaussetzer, dass muss die Zündkerze sein. Wir haben zum Glück eine Reservekerze mit dabei und schnell ausgetauscht, danach läuft das YAK wieder einwandfrei. Ok, wir hatten 2 Pannen gleich am ersten Tag, das kann doch nur mehr besser werden. Am nächsten Tag bricht uns beim Vergaser eine Schraube ab, wir können nicht mehr weiterfahren. Das Gasseil führt durch diese Schraube in den Vergaser und ohne diese Schraube geht gar nix. Zum Glück sind wir in einer großen Stadt, in Bhairahawa, nahe der indischen Grenze. Wir versuchen eine Ersatzschraube zu finden, doch keine Chance, wir müssen improvisieren. Ich kaufe eine Schelle und fixiere auf "russisch" die Schraube. Sie hält und das YAK "schnurrt" wieder. Wenn das so weiter geht hänge ich das Motorrad auf den nächsten Baum und wir gehen zu Fuß weiter! Wir bewegen uns Richtung Westen zum Bardya Nationalpark. Das YAK „schnurrt“ jetzt einwandfrei. Wir beschließen ganz in den Westen von Nepal zu fahren und wollen dort die Grenze nach Indien überschreiten. In Rishikesh, ca. 300 km westlich der Grenze zu Nepal gibt es einen Royal Enfield Mechaniker, das ist jetzt unser Ziel, ein paar Tage muss das YAK noch durchhalten. Am 29. Nov. erreichen wir heißersehnt Rishikesh, das selbsternannte Yoga-Zentrum des ganzen Universums, so einen Ort brauchen wir jetzt um wieder Energie zu tanken. Wir bringen unser YAK zum Mechaniker, nach einer Probefahrt und ziemlich verzweifelten Stirnrunzeln macht er uns eine Liste an reparaturbedürftigen Dingen. Ge leck, der Kolben ist kaputt – "deshalb klopfte der Motor ziemlich stark beim Beschleunigen" – der halbe Zylinder muss erneuert werden, die hinteren Bremsen sind im Eimer, die hinteren Stoßdämpfer sind komplett durchgeschlagen – "deshalb hat es immer so gekracht, wenn wir unabsichtlich mit Vollgas durch die Schlaglöcher rasten" – Luftschlauch hat Risse und vieles mehr. Na ja, das müssen wir halt reparieren lassen, "what to do?", wie der Nepalese so schön sagt! Wir bleiben 10 Tage in Rishikesh und genießen hier die relaxte Stimmung, die schöne Umgebung und das gute Essen. Neben herumspringenden Wildaffen kann man hier in Trance wandelnde, selbsternannte Gurus betrachten, welche sich offensichtlich nur mehr physisch auf Erden befinden und bei so manchen Touristen heftiges Kopfschütteln auslöst! Nach 10 Tagen verlassen wir das Mekka der trommelnden Räucherstäbchen-Gurus und fahren mit unserem YAK Richtung Süden. Unser Ziel ist Rajasthan, ein südwestlich von Delhi gelegenes Wüstengebiet. Unser Motorrad ist jetzt wie neu und nach 1.100km abenteuerlicher Fahrt durch den indischen Verkehrsdschungel erreichen wir Jaisalmer, eine sehr alte aber schöne Wüstenstadt nahe der pakistanischen Grenze. Hier machen wir ein paar Tage Rast bevor wir weiter in den Süden reisen!

eingetragen von Joe am 17.12.2010, 08:50:09 Uhr

 

[ nach oben ]